Wie Yoga meinen Blick auf Bewegung verändert hat
- veroyoga01

- vor 5 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 4 Tagen
Als sportbegeisterter Mensch habe ich mich zu Beginn meiner Yogapraxis oft damit beschäftigt, worin der Unterschied zwischen sportlichen oder gymnastischen Bewegungsabläufen und Yogapraktiken liegt. Denn sowohl im sportlichen Training als auch im Yoga ist die Technik von wesentlicher Bedeutung, damit Bewegungsabläufe korrekt ausgeführt werden.
Im Yoga geht es allerdings nicht nur um Technik und auch nicht um Leistung, sondern um eine Lebenshaltung, die durch die Yogapraxis bewusster wird. Das ist wohl der bedeutendste Unterschied.
Für mich ist Yoga ein ganzheitliches "Fitnesstraining" mit Betonung auf ganzheitlich. Denn Yoga bewirkt nicht nur körperliche, sondern auch mentale Fitness sowie emotionale Stabilität.
Körperliche Fitness
Rein physiologisch gesehen, geht es in der Yogapraxis darum, den Bewegungsapparat zu stärken und mobil zu halten. Über 200 Knochen (Stützapparat) zu stärken, Sehnen und Bänder rund um die Gelenke wie Fuß, Knie, Hüfte, Schulter zu dehnen und elastisch zu halten, an die 600 Muskeln zu stärken, Faszien geschmeidig, die Wirbelsäule stabil und beweglich zu halten, alle Gelenke zu "schmieren".
In den Yoga-Anatomiebüchern von Ray Long (meine persönliche Yoga-Bibel) erfährt man bildlich sehr schön dargestellt und gut beschrieben, welche Muskeln in den jeweiligen Asanas aktiviert und gedehnt werden. Dank dieser Darstellungen wurde mir klar, warum es so viele verschiedene Yoga-Haltungen gibt und wie viele Muskeln in jeder Haltung aktiviert werden. Schließlich erfährt man dann auch durch die eigene Praxis, welche enorme Wirkung die Haltungen haben und was für ein biomechanisches Wunderwerk unser Körper ist. Wichtig für mich dabei zu erfahren war nicht nur, welche Muskeln dabei aktiviert werden, sondern auch welche die Funktion des Synergisten und welche die Funktion des Antagonisten in der jeweiligen Haltung übernehmen.¹
¹Long, Ray: Yoga Anatomie 3D, riva, München 2013.
Yoga geht über die rein physiologische Trainingsebene hinaus. Und das war für mich entscheidend.
Yoga verhilft zum Hineinhören und -fühlen
Yoga sensibilisiert zur bewussteren Selbstwahrnehmung der eigenen körperlichen, geistigen und psychischen Verfassung. Bereits zu Beginn der Yogaeinheit wird die Aufmerksamkeit auf die Atmung und Befindlichkeit gelenkt. Darauffolgendes Aufwärmen und im weiteren Schritt durchgeführte Asanas lenken die Aufmerksamkeit auf den Bewegungsapparat. Während der Yoga-Praxis kann es vorkommen, dass wir (Fehl)belastungen und daraus resultierende Fehlhaltungen bemerken, die uns zuvor nicht bewusst waren. Neben genetisch bedingten Fehlstellungen oder Fehlhaltungen können Belastungserscheinungen, durch einseitige Arbeitsvorgänge, durch einseitige Bewegungsabläufe oder auch durch intensive sportliche Ausübung entstehen.
Die Mentalen Benefits von Yoga
Yoga beendet das Gedankenkarussell und trägt zur mentalen Fitness bei, stärkt die Konzentration, Koordination und Belastbarkeit. Durch bewusstes Bodyscanning (Wahrnehmung des körperlichen, geistigen und psychischen Ist-Zustands) wird die Aufmerksamkeit nach Innen gelenkt. Diese Methode fördert und schult deine Achtsamkeit, stärkt deine Resilienzfähigkeit und sensibilisiert dein Selbstreflexionsvermögen. Die Konzentration auf deinen Atem beruhigt deinen Geist, dein gleichmäßiger Atemrhythmus verbindet Körper und Geist, hilft dir im Aufbau und in der Ausführung der Yogahaltungen, verbindet Spannung und Entspannung zu einer dynamischen Balance, zu einem Ganzen, zu einem inneren Seelentanz. Was folgt ist
Glückempfinden, Achtung vor der Schöpfung, Dankbarkeit!

Nobody is perfect, but Yoga helps to accept and work with it!
Yoga hat dazu beigetragen, dass ich in Hinblick auf meine physische, geistige und psychische Verfassung sensibler und bewusster geworden bin. Durch gezielte Yogahaltungen konnte ich so manche sportliche Verletzungen auskurieren, Felbelastungen als solches identifizieren oder Fehlhaltungen entgegegensteuern und teilweise sogar leichte Fehlstellungen korrigieren.
Das notwendige Wechselspiel von Praxis und Theorie
Als Unterrichtende braucht man nicht nur fachliches Wissen, sondern auch Selbsterfahrung und die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion, bevor man Wissen weitergibt.
Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, mehr auf mich und meinen Körper zu achten, Überanstrengung und Überbeanspruchung zu vermeiden, persönlichen Ehrgeiz und Leistungsdruck herunter zu schrauben bzw. in ein achtsameres Training umzuwandeln. Meine Einsicht hat lange gedauert. Wirklich verstanden habe ich es über die Körpererfahrung im Yoga.
Hätte, hätte Fahrradkette...
Im Nachhinein betrachtet, hätte ich mir so einige Verletzungen und manchen Leidensdruck ersparen können, wenn ich diese Erkenntnis früher gewonnen hätte.
Andererseits habe ich durch meine sportlichen Aktivitäten immer wieder Ausdauer aufgebaut, die ich für den Alltag benötigt hatte.
Was daraus geworden ist
...heute bin ich dankbar und glücklich Yoga, insbesondere die Iyengar-Methode auf meinem Lebensweg gefunden zu haben. Dankbar bin ich auch meinen Lehrern, die mir diese, so kompetent vermittelt haben. Mein Sport ist heute viel bewusster, entspannter und heilsamer als früher, meine Wahrnehmung noch klarer und tiefer.
Ich freue mich, wenn ich diese Erkenntnis mit dir teilen kann.
Mit einem herzlichen Gruß und Namasté,
Vero



Kommentare